Clone of Die Drogensituation in Europa bis 2023 – ein Überblick und eine Bewertung sich abzeichnender Bedrohungen und neuer Entwicklungen (Europäischer Drogenbericht 2023)

Diese Seite zieht die neuesten verfügbaren Daten heran, um einen Überblick über die aktuelle Situation und die sich abzeichnenden Drogenprobleme in Europa zu geben, wobei der Schwerpunkt auf dem Jahr bis Ende 2022 liegt. Die hier vorgestellte Analyse hebt einige Entwicklungen hervor, die wichtige Auswirkungen auf die Drogenpolitik und die im Drogenbereich tätigen Akteure in Europa haben könnten.

Diese Seite ist Teil des Europäischen Drogenberichts 2023, des jährlichen Überblicks der EMCDDA über die Drogensituation in Europa.

Letzte Aktualisierung: 16. Juni 2023

ÜBERALL, ALLES UND JEDE(R)
Die komplexe Herausforderung, die drogenbedingten Probleme der heutigen Zeit zu bewältigen

Illegale Drogen haben erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit und Sicherheit in Europa

Eine zentrale Botschaft der Analyse des Europäischen Drogenberichts aus dem Jahr 2023 lautet, dass die Auswirkungen des Konsums illegaler Drogen mittlerweile fast überall in unserer Gesellschaft zu beobachten sind. Fast alles, was psychoaktive Eigenschaften aufweist, hat das Potenzial, als Droge verwendet zu werden. Das bedeutet, dass jede(r) direkt oder indirekt vom Konsum illegaler Drogen und den damit verbundenen Problemen betroffen sein kann.

Überall

A puddle of water with light reflections on wet sand

Drogenprobleme haben heutzutage fast überall Auswirkungen. Auf nationaler Ebene manifestieren sie sich in anderen komplexen gesellschaftlichen Problemen und verschärfen diese zusätzlich, so wie etwa im Falle der Obdachlosigkeit, der Behandlung psychiatrischer Erkrankungen und der Jugendkriminalität. In einigen Ländern sehen wir auch eine Zunahme von Gewalt und Korruption aufgrund der Situation auf den Drogenmärkten. Auf internationaler Ebene nehmen die Drogenprobleme in vielen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommensniveau zu, wodurch Verwaltung und Entwicklung untergraben und die bereits erheblichen Herausforderungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit, mit denen viele Länder konfrontiert sind, noch verschärft werden.

Alles

Colour splashes on a window

Zunehmend ist zu beobachten, dass fast alles, was psychoaktive Eigenschaften aufweist, auf dem Drogenmarkt auftauchen kann, oft mit falscher Kennzeichnung oder in Mischungen, sodass die Konsumierende möglicherweise nicht wissen, was sie konsumieren. Dies erhöht die Gesundheitsrisiken und führt zu neuen Herausforderungen für Strafverfolgung und Kontrolle.

 

 

Jede(r)

A crowd of people facing a stage with their arms in the air

Die Folge der von uns beobachteten Entwicklungen ist, dass jede(r) in irgendeiner Weise vom illegalen Drogenkonsum, den Vorgängen am Drogenmarkt und den damit verbundenen Problemen betroffen sein kann. Unmittelbar sehen wir dies bei denjenigen, die aufgrund des Drogenkonsums Probleme bekommen und eine Behandlung oder andere Unterstützungsleistungen benötigen. Indirket zeigt sich dies in der Anwerbung gefährdeter Jugendlicher für kriminelle Machenschaften, in der Belastung der Gesundheitsbudgets und in den sozialen Kosten für Gemeinschaften, die sich unsicher fühlen oder in denen Institutionen oder Unternehmen durch Korruption oder kriminelle Praktiken unterminiert werden. 

Die Drogensituation in Europa im Jahr 2023 – ein Überblick

Nach wie vor hohe Verfügbarkeit illegaler Substanzen

Eine Analyse der angebotsbezogenen Indikatoren für die am häufigsten konsumierten illegalen Drogen in der Europäischen Union legt nahe, dass die Verfügbarkeit bei allen Arten von Substanzen weiterhin hoch ist. Der Markt ist heute durch die relativ breite Verfügbarkeit eines vielfältigeren Spektrums von Drogen gekennzeichnet, die häufig mit hoher Wirkstärke oder Reinheit erhältlich sind. Weiterhin wurden große Mengen von Drogen, die in intermodalen Frachtcontainern nach Europa geschmuggelt werden, aufgedeckt und beschlagnahmt, wobei kommerzielle Lieferketten ein wichtiges Ziel für die Unterwanderung durch organisierte kriminelle Gruppen sind. Darüber hinaus ist Europa nach wie vor ein wichtiger Produktionsmarkt für einige Substanzen, insbesondere für synthetische Drogen und Cannabis.

Eine größere Vielfalt bei der Verfügbarkeit und dem Konsum von Drogen bringt neue Herausforderungen in den Bereichen Gesundheit und Politik mit sich

Die hohe Verfügbarkeit von Drogen geht mit einer größeren Vielfalt der Substanzen auf dem illegalen Drogenmarkt einher, wodurch die Verbraucher einem breiteren Spektrum psychoaktiver Substanzen ausgesetzt sind. Dazu gehören neue synthetische Drogen, deren gesundheitliche Risiken oft nur wenig bekannt sind. Dies gibt Anlass zu Bedenken hinsichtlich des Potenzials für einen breiter gefächerten Konsum illegaler Substanzen im Allgemeinen sowie der höheren Risiken, die mit einigen dieser Substanzen einhergehen. Drogenkonsumierende sind möglicherweise einem größeren Risiko von Gesundheitsschäden, einschließlich Vergiftungen und Todesfällen, ausgesetzt, wenn sie – möglicherweise unwissentlich – Substanzen mit höherer Wirkstärke, neuartige Substanzen oder deren Mischungen konsumieren, bei denen Wechselwirkungen die potenziellen Gesundheitsschäden erhöhen können.

Faktengestützte und abgestimmte Maßnahmen können zielführend sein, sind jedoch häufig nicht ausreichend verfügbar.

Obwohl nach wie vor erhebliche Wissenslücken bestehen, haben wir durch Forschung und Investitionen in die Entwicklung von Angeboten in den Bereichen Drogenprävention, Behandlung, Schadensminimierung und Unterstützung der Rehabilitation mittlerweile ein besseres Verständnis dafür gewonnen, welche Maßnahmen wirksam sein können. Die Tatsache, dass Probleme im Zusammenhang mit dem Drogenkonsum und andere komplexe sozialpolitische Fragen eng miteinander verknüpft sind, bedeutet auch, dass mittlerweile ein größeres Bewusstsein für die Notwendigkeit stärker integrierter und umfassender Maßnahmen besteht. Daher sind Synergien mit Politik und Praxis in anderen wichtigen Bereichen erforderlich, darunter Unterstützung bei der Wohnraumfindung, allgemeine Gesundheitsversorgung, Dienstleistungen für junge und ältere Menschen, Maßnahmen zum Schutz der psychischen Gesundheit und das Strafrechtssystem. Allerdings sind sowohl die Verfügbarkeit drogenspezifischer Maßnahmen als auch Beispiele für gut entwickelte, integrierte Betreuungsmodelle auf europäischer Ebene stark heterogen, und in vielen Ländern muss mehr in diese beiden Bereiche investiert werden.

Reaktion auf vielfältigere und komplexere Bedürfnisse

Wachsende Unterstützung bei der Umsetzung faktengestützter Maßnahmen zur Prävention des Substanzkonsums

Teenagers sitting on a stone floor

Die Prävention des Substanzkonsums zielt darauf ab, den Konsum psychoaktiver Substanzen zu verhindern bzw. ihn zu verzögern. Mit dieser Maßnahme kann außerdem Personen, die bereits mit dem Konsum von Substanzen begonnen haben, dabei geholfen werden, die Entwicklung von Suchterkrankungen zu vermeiden. In der Vergangenheit haben sich jedoch nicht alle in diesem Bereich angewandten Ansätze als wirksam erwiesen, und das Interesse an der Ermittlung und Umsetzung von faktengestützten Präventionsprogrammen nimmt stetig zu. Die Verwirklichung dieses Ziels wird nun durch die Einrichtung von Registern für Präventionsprogramme, Ausbildungsinitiativen und die Entwicklung von Qualitätsstandards unterstützt. Das Europäische Präventionscurriculum (European Prevention Curriculum) soll die Wirksamkeit der Präventionsmaßnahmen insgesamt verbessern. In mehr als 25 EU-Mitgliedstaaten und Nachbarländern gibt es inzwischen nationale Ausbilder für das Europäische Präventionscurriculum. Die Präventionsbemühungen werden auch von Xchange, einem europäischen Online-Register evaluierter Präventionsmaßnahmen, unterstützt.

Die Bereitstellung von Angeboten zur Schadensminimierung muss weiter verbessert werden.

A man working on a laptop displaying charts

Der Konsum illegaler Drogen verursacht eine Reihe akuter und chronischer Schäden und es ist hinreichend bekannt, dass er zur globalen Belastung durch Krankheiten beiträgt. Damit zusammenhängende Maßnahmen zur Schadensminimierung, wie z. B. die Behandlung mit Opioid-Agonisten und die Bereitstellung steriler Utensilien für Personen, die Drogen injizieren, werden inzwischen weithin als wichtiger Beitrag zur Gesundheitsversorgung anerkannt. Die Abdeckung und der Zugang zu dieser Art von Maßnahmen sind jedoch in einigen EU-Mitgliedstaaten im Vergleich zum geschätzten Bedarf nach wie vor unzureichend. Einige Länder haben auch in neuere Angebote investiert, wie Drogenkonsumräume, Programme zur Mitgabe von Naloxon und Drug-Checking-Angebote. Diese Angebote sind nach wie vor nur begrenzt verfügbar. Darüber hinaus besteht zwischen den Ländern insgesamt weniger Konsens darüber, inwieweit die jeweiligen Maßnahmen zur Problembewältigung geeignet sind. Daher müssen weitere Forschungs- und Evaluierungsstudien durchgeführt werden, um die Faktengrundlage, die für politische Überlegungen in diesem Bereich erforderlich ist, zu festigen.

Die sich rasch entwickelnde Drogensituation in Europa bringt neue Herausforderungen für die Schadensminimierung und die Risikokommunikation mit sich.

 Medical doctor holding tablet showing digital data

Die größere Vielfalt bei der Verfügbarkeit und dem Konsum von Drogen führt auch zu neuen Herausforderungen für die Entwicklung und Umsetzung von Angeboten zur Schadensminimierung. Diese Angebote werden benötigt, um die gesundheitlichen Risiken zu reduzieren, die sich aus komplexeren Konsummustern, neuen Substanzen und Substanzmischungen ergeben. So muss beispielsweise überlegt werden, was unter wirksamen Ansätzen zur Schadensminimierung für den Konsum von Substanzen zu verstehen ist, unabhängig davon, ob es sich dabei um synthetische Opioide, synthetische Stimulanzien, neue Arten und Formen von Cannabisprodukten oder dissoziative Drogen wie Ketamin handelt. Die Folgen des versehentlichen Konsums von hochwirksamen Substanzen oder Substanzmischungen geben zunehmend Anlass zur Sorge. Wichtige politische Überlegungen beziehen sich auf Risikoverhaltensweisen, mit denen sich die Angebote zur Schadensminimierung beschäftigen, die Evidenzbasis der Arbeit dieser Dienste und Angebote, und die Qualitätsstandards für die Betreuung. Gleichzeitig müssen wirksame Strategien für die Risikokommunikation entwickelt werden, um Konsumierende auf die sich entwickelnden Risiken in diesem Bereich aufmerksam zu machen, insbesondere auf die Risiken im Zusammenhang mit neuen Substanzen, Wechselwirkungen zwischen Drogen, hochwirksamen Produkten oder bestimmten Formen des Konsums.

Investitionen, die erforderlich sind, um die Ziele zur Verringerung der Belastung durch Infektionskrankheiten zu erreichen

Blood samples with infected virus

Injizierende Drogenkonsumierende sind dem Risiko von Infektionen wie Virushepatitis B und C (HVB und HCV) und einer Ansteckung mit dem humanen Immunschwächevirus (HIV) ausgesetzt. Die mit injizierendem Drogenkonsum einhergehenden HIV-Infektionen sind in den letzten zehn Jahren stetig zurückgegangen. Es besteht jedoch die Sorge, dass die geringe Zahl der in den jüngsten Daten beobachteten Neuinfektionen zumindest zum Teil auf eine Verzögerung bei der Diagnose zurückzuführen sein könnte, da aufgrund der COVID-19-Pandemie weniger getestet wurde. 

Es gibt auch andere Anzeichen dafür, dass mehr Investitionen erforderlich sind, wenn die Ziele, in Europa AIDS auszurotten und die Virushepatitis-Epidemie zu beenden, bis 2030 erreicht werden sollen. Lokale HIV-Ausbrüche auf städtischer Ebene, die mit dem injizierenden Konsum von Stimulanzien in Verbindung gebracht werden, waren in den letzten zehn Jahren in Europa ein wiederkehrendes Problem, was darauf hindeutet, dass weitere Anstrengungen unternommen werden müssen, um diese Schäden zu mindern. Mehr als die Hälfte der neuen HIV-Fälle bei injizierenden Drogenkonsumierenden wurden erst spät diagnostiziert, was das Risiko damit verbundener Krankheits- und Todesfälle erhöht. Die Bereitstellung von Nadeln und Spritzen ist wichtig, um die Übertragung von Krankheiten einzudämmen, doch nur wenige Länder erreichen derzeit die von der WHO für diese Art der Versorgung empfohlenen Ziele. In vielen Ländern gibt es außerdem Hindernisse für die Inanspruchnahme von HCV-Tests und -Behandlungen, was dazu führt, dass Infektionen nicht diagnostiziert werden und unbehandelt bleiben.

Es werden bessere toxikologische und forensische Datenquellen benötigt, um eine Informationsgrundlage für Strategien und Maßnahmen zu schaffen

A woman in a lab coat with mask and glove looking at samples on a microscope

Im Europäischen Drogenbericht 2023 werden die wachsende Bedeutung synthetischer Drogen, das Auftreten neuartiger Substanzen, neue Produktionspraktiken auf dem Drogenmarkt und die Tatsache hervorgehoben, dass viele der mit dem Drogenkonsum verbundenen Schäden durch Wechselwirkungen zwischen Drogen, die wissentlich oder unwissentlich zusammen konsumiert werden, noch verschärft werden. Die Tatsache, dass in Cannabiskraut zusätzlich zu natürlichen Cannabinoiden immer wieder synthetische Cannabinoide nachgewiesen werden, wirft ähnliche Bedenken auf. All diese Probleme legen ein und dieselbe Schlussfolgerung nahe, die sich durch die gesamte diesjährige Analyse zieht: nämlich, dass forensische und toxikologische Informationsquellen zu wesentlichen Elementen für das Verständnis der Entwicklungen sowohl auf dem Drogenmarkt als auch der gesundheitlichen Auswirkungen der sich verändernden Drogenkonsummuster geworden sind. Derzeit sind diese Quellen nicht in ausreichendem Maße verfügbar, was unser Verständnis für wichtige Fragen, wie z. B. die Rolle, die polyvalente Konsummuster bei Drogenüberdosierungen spielen, beeinträchtigt. Positiv hervorzuheben ist jedoch, dass die neue EUDA ab 2024 ein europäisches Netz forensischer und toxikologischer Labore ins Leben rufen wird, um die Kapazitäten und die Informationsressourcen in diesem Bereich zu stärken.

Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auf die Drogensituation in Europa

Ukrainian colors on damaged wall

Mehr als ein Jahr nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine befindet sich das Land nach wie vor in einer humanitären Krise, und das ukrainische Gesundheits- und Sozialsystem ist durch den Konflikt stark belastet. Der Krieg hat den Zugang zur Gesundheitsversorgung, einschließlich der Drogenbehandlung, erschwert. Um die Kontinuität der Versorgung von Menschen, die mit Opioid-Agonisten behandelt werden, zu gewährleisten, hat das ukrainische Gesundheitsministerium Partnerschaften mit einer Reihe von Nichtregierungsorganisationen geschlossen. Gleichzeitig suchen Menschen aus der Ukraine weiterhin Zuflucht in der Europäischen Union. Die EU-Länder müssen ihre Kapazitäten ausbauen, um die Versorgung von Vertriebenen, die Drogen konsumieren, zu gewährleisten. Ein wichtiges Element dabei ist der Zugang zu Sprachdienstleistungen, aber auch die Anerkennung der Tatsache, dass gleichzeitig Unterkünfte, Sozialleistungen und Unterstützung bei der Kinderbetreuung bereitgestellt werden müssen. Die Zerstörung wesentlicher Infrastruktur und die schwankende Intensität des Konflikts haben den Betrieb von Drogenmoitoringsystemen und die Analyse der Veränderungen der Drogensituation in der Ukraine äußerst schwierig gemacht. Aus den verfügbaren Informationen geht hervor, dass die Verfügbarkeit von Heroin in der Ukraine offenbar zurückgegangen ist; die Produktion und der Konsum synthetischer Drogen scheinen jedoch weniger stark betroffen zu sein. Der Heroinschmuggel über Zentralasien und den Kaukasus sowie über das Schwarze Meer nach Europa scheint durch den Krieg ebenfalls gestört worden zu sein. Eine mögliche Folge davon ist, dass Schmuggelaktivitäten auf anderen Routen nach Europa zugenommen haben könnten.

Cannabis: neue Herausforderungen für Politik und Praxis

Nationale politische Strategien zum Cannabiskonsum und die damit einhergehenden regulatorischen Herausforderungen werden immer komplexer 

Cannabis plants

Politische Strategien und regulatorische Maßnahmen in Bezug auf den Konsum von Cannabis stehen zunehmend vor neuen Herausforderungen, die sich aus neuen Formen und Verwendungen dieser Substanz ergeben. Die Entwicklungen in diesem Bereich scheinen zum Teil durch die Entstehung von Märkten für Cannabis als Freizeitdroge auf dem amerikanischen Kontinent und zum Teil durch ein größeres kommerzielles Interesse an der Entwicklung von Konsumprodukten, die Extrakte aus der Cannabispflanze enthalten, beeinflusst zu werden. Das Spektrum der nationalen politischen Strategien in Bezug auf Cannabis in Europa wird allmählich erweitert und umfasst nun neben der Kontrolle von illegalem Cannabis auch die Regulierung einiger Formen von Cannabis zu therapeutischen Zwecken und das Aufkommen von kommerziellen Produkten, die Derivate der Cannabispflanze enthalten.

Es muss eine Ausgangsdatenlage ermittelt werden, um die Auswirkungen möglicher Änderungen der Cannabisregulierung zu bewerten. 

A person looking at cannabis plants under a growing light

Einige EU-Mitgliedstaaten ändern darüber hinaus ihren politischen Ansatz für den Konsum von Cannabis als Freizeitdroge. Im Dezember 2021 erließ Malta Rechtsvorschriften für den häuslichen Anbau und den Cannabiskonsum im privaten Umfeld sowie für gemeinschaftliche, nicht gewinnorientiert betriebene Clubs für den Anbau von Cannabis als Freizeitdroge. Deutschland plant die Genehmigung des häuslichen Anbaus sowie von nicht gewinnorientiert betriebenen Clubs, und auch Luxemburg plant, den häuslichen Anbau zu genehmigen; beide Länder erwarten, dass zu einem späteren Zeitpunkt ein Vertriebssystem entwickelt wird. In den Niederlanden wird ein Modell für eine geschlossene Cannabis-Lieferkette für Cannabis-Coffeeshops erprobt, und auch die Tschechische Republik hat Pläne für ein reguliertes und besteuertes Vertriebssystem angekündigt. Darüber hinaus hat die Schweiz, die nicht zur EU gehört, damit begonnen, Pilotversuche mit Verkaufs- oder anderen Vertriebssystemen für bestimmte Ortsansässige in bestimmten Städten zu genehmigen. Unabhängig von der Art etwaiger politischer Entwicklungen in diesem Bereich hängt eine Bewertung ihrer Auswirkungen davon ab, ob geeignete Ausgangsdaten vorliegen, die als Grundlage für eine kontinuierliche Überwachung und Evaluierung dienen.

Die Auswirkungen der hohen Verfügbarkeit und des regen Konsums von Cannabisprodukten auf die öffentliche Gesundheit verstehen

Young man rolling cannabis joint

Cannabis ist nach wie vor die am häufigsten konsumierte illegale Substanz, und im Jahr 2021 erreichten die beschlagnahmten Mengen von Cannabisharz und Cannabiskraut den höchsten Stand seit einem Jahrzehnt, was die anhaltend hohe Verfügbarkeit dieser Droge widerspiegelt. Insgesamt kommt die diesjährige Analyse zu dem Schluss, dass ein besseres Verständnis der Probleme, mit denen Cannabis-Konsumierende konfrontiert sind, sowie der Therapiepfade und Behandlungsoptionen erforderlich ist. Berichten zufolge ist Cannabis für einen erheblichen Anteil der Erstbehandlungen wegen Drogen in Europa verantwortlich, jedoch scheint die Situation in den einzelnen Ländern recht heterogen zu sein, sowohl in Bezug auf die aktuelle Situation als auch auf die Meldepraxis. Im Rahmen einer vor Kurzem durchgeführten Studie der EMCDDA wurde festgestellt, dass für Personen, die Probleme mit dem Cannabiskonsum haben, zunehmend psychosoziale Behandlungen, wie z. B. kognitive Verhaltenstherapien, zur Verfügung stehen. Insgesamt muss jedoch ein besseres Verständnis dafür gewonnen werden, in welchem Umfang Cannabis-Konsumierende Hilfe bei ihren Problemen suchen und welche Angebote vermutlich geeignet sind, den Bedürfnissen in diesem Bereich gerecht zu werden.

Diversifizierung und Verfälschung

Gummies lying on a table with cannabis herb

Auch die Vielfalt der in Europa erhältlichen Cannabisprodukte nimmt zu. Dazu gehören hochwirksame Extrakte und Esswaren (sogenannte „Edibles“), die in den Notaufnahmen der Krankenhäuser mit akuten Vergiftungen in Verbindung gebracht wurden. Im Jahr 2021 war insgesamt ein Anstieg der Berichte über Cannabiskraut zu verzeichnen, in dem THC oder andere natürliche Cannabinoide neben synthetischen Cannabinoiden nachgewiesen wurden. Dies hat die Bedenken verstärkt, dass Cannabisprodukte, die in der Regel einen geringen THC-Gehalt aufweisen, mit hochwirksamen synthetischen Cannabinoiden verfälscht werden, was die Bedeutung der toxikologischen Analyse zum Nachweis dieser Substanzen unterstreicht. Verfälschtes Cannabiskraut kann wie natürliches Cannabis aussehen und daher an ahnungslose Konsumierende fälschlicherweise als Cannabis verkauft werden. Einige synthetische Cannabinoide sind extrem wirksam und wurden mit tödlichen und nicht tödlichen Überdosierungen in Verbindung gebracht. Cannabis-Esswaren bzw. „Edibles“ sind Lebensmittelprodukte, in der Regel mit Cannabisextrakt versetzte „Süßigkeiten“, die seit 2021 zunehmend auf dem illegalen europäischen Markt erhältlich sind. Diese Produkte stellen aufgrund ihres THC-Gehalts und der Möglichkeit, dass sie mit legalen kommerziellen Produkten verwechselt werden können, insbesondere für Kinder ein Risiko dar. Einige dieser essbaren Produkte sind in Verpackungen erhältlich, die kommerziellen Produkten ähneln, und es wurde festgestellt, dass einige Proben auch synthetische Cannabinoide enthalten, was weiteren Anlass zu gesundheitlichen Bedenken in diesem Bereich gibt.

HHC – das erste halbsynthetische Cannabinoid erscheint auf dem europäischen Markt für illegale Drogen

Vending machine selling HHC products

Die Vielfalt auf dem Cannabismarkt nahm im Mai 2022 weiter zu, als das erste halbsynthetische Cannabinoid, Hexahydrocannabinol (HHC), als in Europa verfügbar identifiziert wurde. HHC ähnelt chemisch dem Delta-9-Tetrahydrocannabinol (Delta-9-THC), der wichtigsten psychoaktiven Substanz in Cannabis, und scheint weitgehend ähnliche Wirkungen zu haben. Weder die Pharmakologie noch die Toxikologie von HHC sind allerdings beim Menschen im Detail untersucht worden. Im Jahr 2022 wurde HHC in zwei Dritteln der EU-Mitgliedstaaten identifiziert, und in einigen EU-Mitgliedstaaten wurde es kommerziell vermarktet und als „legale“ Alternative zu Cannabis verkauft. HHC kann auf Cannabiskraut mit niedrigem THC-Gehalt aufgesprüht oder mit diesem gemischt werden; dieses Cannabiskraut kann aussehen wie reguläres illegales Cannabis und ähnlich wie dieses riechen. Auch in Liquids für E-Zigaretten und Lebensmittelprodukten ist es in Erscheinung getreten. Es wird angenommen, dass HHC aus Cannabidiol (CBD) synthetisiert wird; letzteres wird wiederum aus Cannabis mit niedrigem THC-Gehalt (Hanf) extrahiert. Seitdem HHC in Erscheinung getreten ist, wurden auch andere halbsynthetische Cannabinoide nachgewiesen, was auf ein kommerzielles Interesse in diesem Bereich hindeutet. Aufgrund der Neuheit dieser Cannabisformen und des Mangels an empirischen Daten besteht erhebliche Unsicherheit hinsichtlich der möglichen Auswirkungen dieser Substanzen auf die menschliche Gesundheit.

Kokain und synthetische Stimulanzien gewinnen zunehmend an Bedeutung

Historisch hohe Verfügbarkeit von Kokain

Man in a yellow vest standing in front of shipping containers

Im Jahr 2021 beschlagnahmten die EU-Mitgliedstaaten eine Rekordmenge von 303 Tonnen Kokain. Der Handel mit großen Mengen Kokain über die wichtigsten europäischen Seehäfen in intermodalen Frachtcontainern der gewerblichen Schifffahrt ist ein wesentlicher Faktor für die aktuell hohe Verfügbarkeit dieser Droge in Europa. Die Auswirkungen der hohen Verfügbarkeit von Kokain spiegeln sich in den Bedenken hinsichtlich eines Anstiegs sowohl gesundheitlicher Probleme als auch der Kriminalitätsrate, einschließlich Gewaltverbrechen im Zusammenhang mit Aktivitäten auf dem Drogenmarkt, wider. Die umfangreichen Beschlagnahmen zeigen außerdem die verstärkten Bemühungen der Strafverfolgungsbehörden, den Drogenhandel über die großen europäischen Häfen zu unterbinden. Es gibt jedoch auch Anzeichen dafür, dass Schmugglerringe zunehmend neue Ansätze erkunden, um das Risiko, entdeckt zu werden, zu reduzieren. Zum Beispiel gibt es Hinweise darauf, dass sie auf für ihre Zwecke potenziell leichter nutzbare, kleinere Häfen in der Europäischen Union und in Nachbarländern abzielen. Außerdem gibt es in Europa inzwischen eine gut etablierte Sekundärindustrie für Kokainproduktion, die den Einsatz innovativer Methoden für den Schmuggel ermöglicht. Dies erschwert mitunter die Entdeckung von in kommerzieller Fracht verstecktem Kokain.

Zunehmende Evidenz für die negativen Auswirkungen einer hohen Verfügbarkeit von Kokain 

A man holding a small plastic bag with a white powder

Kokain ist mittlerweile die am zweithäufigsten gemeldete Droge, und zwar sowohl bei Personen, die eine Therapie beginnen, als auch in den verfügbaren Daten über Notfälle mit akuter Drogenvergiftung in Notaufnahmen von Krankenhäusern. Die verfügbaren Daten deuten auch darauf hin, dass die Droge an etwa einem Fünftel der Todesfälle durch Überdosierung im Jahr 2021 beteiligt war. Aufgrund methodischer Herausforderungen ist es wahrscheinlich, dass die kokainassoziierten Todesfälle in unseren aktuellen Datensätzen nicht ausreichend erfasst werden. Die zunehmende Verfügbarkeit scheint auch mit Anzeichen für eine mögliche Ausbreitung des Kokainkonsums in stärker marginalisierte Gruppen einherzugehen, wobei in einigen Ländern über Kokaininjektionen und den Konsum von Crack berichtet wird. 

Synthetische Stimulanzien – mehr Vielfalt auf dem illegalen Drogenmarkt und damit verbundene Risiken für die öffentliche Gesundheit

White powder, tablets, spoon and syringe on black table

Neben Kokain ist der Konsum synthetischer Stimulanzien mit Risiken für die körperliche und geistige Gesundheit verbunden. Die meisten Indikatoren deuten darauf hin, dass Amphetamin in Europa nach wie vor das am häufigsten konsumierte illegale synthetische Stimulans ist. Allerdings nimmt die Vielfalt auf dem Drogenmarkt in diesem Bereich zu, und es gibt Anzeichen dafür, dass sowohl Methamphetamin als auch synthetische Cathinone mittlerweile stärker als in der Vergangenheit zu den durch Stimulanzien verursachten Problemen in Europa beitragen. Die Konsumierenden betrachten verschiedene Stimulanzien möglicherweise als funktional ähnlich und sind bereit, neue Produkte aufgrund ihrer Verfügbarkeit auf dem Markt auszuprobieren. Da synthetische Stimulanzien auch in ähnlich aussehenden Pulvern oder Pillen erhältlich sein können, wissen die Verbraucher manchmal nicht, welche Stimulanzien oder Kombinationen von Stimulanzien sie genau konsumieren. Diese Drogen können auch in Tabletten enthalten sein, die als MDMA auf dem Markt erhältlich sind. Insgesamt bedeuten die Entwicklungen in diesem Bereich, dass Personen, die Drogen konsumieren, durch den – möglicherweise unwissentlichen – Konsum stärkerer oder neuartigerer Substanzen und durch risikantes Konsumverhalten einem größeren Risiko für gesundheitliche Beeinträchtigungen ausgesetzt sind, darunter Vergiftungen, akute und chronische psychische Probleme, Infektionskrankheiten und Todesfälle.

Stärkere Anerkennung der Rolle von Stimulanzien bei den Schäden, die durch den injizierenden Drogenkonsum entstehen

Syringe lying on the floor

Injizierende Drogenkonsumierende sind einem größeren Risiko ausgesetzt, sich mit durch Blut übertragbaren Infektionen anzustecken oder an einer Drogenüberdosis zu sterben. Trotz eines anhaltenden Rückgangs des injizierenden Drogenkonsums in Europa in den letzten zehn Jahren ist dieses Verhalten nach wie vor für einen unverhältnismäßig hohen Anteil der mit illegalen Drogen verbundenen Schäden verantwortlich. In der Vergangenheit war Heroin die Hauptdroge, die mit dem injizierenden Drogenkonsum in Verbindung gebracht wurde. Mittlerweile werden jedoch auch andere Drogen, einschließlich Stimulanzien und Arzneimittel, häufiger injiziert, entweder allein oder in Kombination mit Heroin oder anderen Opioiden. Der injizierende Konsum von Stimulanzien ist mit hochfrequenten Konsummustern verbunden und wird mit lokalen HIV-Ausbrüchen in europäischen Städten in Verbindung gebracht. Darüber hinaus kann die Injektion von schlecht aufgelösten/m synthetischen Stimulanzien, Medikamenten oder Crack auch das Risiko von Gefäßschäden oder einer bakteriellen Infektion erhöhen. Auch der polyvalente injizierende Drogenkonsum kann das Risiko einer Drogenüberdosierung erhöhen. Das Verständnis der Schäden, die mit den sich ändernden Mustern des injizierenden Drogenkonsums verbunden sind, ist daher der Schlüssel zur Entwicklung von Maßnahmen, um die mit diesem Verhalten verbundenen Schäden zu verringern.

Anzeichen für eine erhöhte Schwankungsanfälligkeit auf dem MDMA-Markt, aber weiterhin Bedenken hinsichtlich der Verfügbarkeit von Produkten mit hohem Reinheitsgrad

Bag with MDMA tablets of different shapes and colours

Die aktuellen Daten deuten auf eine insgesamt relativ stabile Situation in Bezug auf den MDMA-Konsum hin, auch wenn auf nationaler Ebene erhebliche Heterogenität besteht. Dies folgt auf einen Zeitraum, in dem Indikatoren für den MDMA-Konsum auf einen vorübergehenden Rückgang des Konsums in den frühen Phasen der COVID-19-Pandemie hindeuteten, als die Maßnahmen zur sozialen Distanzierung das Nachtleben und andere soziale Ereignisse, die mit dem Konsum dieser Substanz im Zusammenhang stehen, teilweise oder auch vollständig zum Erliegen brachten. Europa ist nach wie vor ein wichtiges Zentrum für die Herstellung von MDMA, sowohl für den inländischen Konsum als auch für den Export in Nicht-EU-Märkte. Mit einem typischen MDMA-Gehalt von 161 bis 173 Milligramm ist die Gesamtstärke der Tabletten im historischen Vergleich nach wie vor hoch, was zu Bedenken hinsichtlich des Risikos gesundheitlicher Schäden für Konsumierende geführt hat. In jüngster Zeit gab es jedoch einige Anzeichen, die auf einen möglichen Rückgang der Produktionsmengen hindeuten, und es wurde eine Verringerung des MDMA-Gehalts der Tabletten festgestellt. Es ist unklar, ob diese Signale so zu deuten sind, dass die Hersteller Probleme bei der Beschaffung der chemischen Ausgangsstoffe haben bzw. dass sie auf die Produktion anderer Substanzen umstellen, die stärker nachgefragt werden oder rentabler sind, oder ob der Markt auf eine wahrgenommene Nachfrage der Konsumierenden nach Produkten mit geringerer Stärke reagiert. Insgesamt sind jedoch nach wie vor hochreine Tabletten und Pulver auf dem europäischen Markt erhältlich, und diese Tatsache bildet eine wichtige Informationsgrundlage für Maßnahmen zur Prävention und Schadensminimierung in diesem Bereich.

Größere Vielfalt bei der Verfügbarkeit und dem Konsum von Drogen

Anzeichen dafür, dass sich Ketamin bei bestimmten Gruppen als Droge der Wahl etabliert hat

White powder and vial with a liquid

Die Menge an Ketamin, die beschlagnahmt und dem EU-Frühwarnsystem für neue psychoaktive Substanzen gemeldet wurde, schwankt im Laufe der Zeit erheblich, ist aber in den letzten Jahren auf einem relativ hohen Niveau geblieben. Dies ist, zusammen mit anderen Informationen, ein Indiz dafür, dass Ketamin auf einigen nationalen Drogenmärkten wahrscheinlich durchgehend verfügbar ist und sich für einige Gruppen zu einer etablierteren Droge der Wahl entwickelt hat. Ketamin wird häufig geschnupft, kann aber auch injiziert werden. Es wurde mit verschiedenen dosisabhängigen akuten und chronischen Schäden in Verbindung gebracht, die bei Langzeitkonsumierenden mit urologischen Komplikationen und Blasenschäden einhergehen können. Ketamin ist aber mitunter auch als Beimischung zu anderen Drogenmischungen, einschließlich MDMA-Pulver und Tabletten, anzutreffen. Es findet sich auch in Mischungen, die als „rosa“ oder „pinkes“ Kokain („pink Cocaine“) verkauft werden, ein Produkt, das unter den Konsumierenden offenbar wachsendes Interesse weckt. In Europa bezieht sich der Begriff „pink Cocaine“ in der Regel auf Mischungen von Ketamin mit anderen synthetischen Drogen wie Amphetaminen oder MDMA. Wie bereits an anderer Stelle im Europäischen Drogenbericht 2023 vermerkt, sind sich Personen, die Drogenmischungen konsumieren, möglicherweise nicht der Substanzen bewusst, die sie konsumieren, oder dass sie durch Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Drogen erhöhten Gesundheitsrisiken ausgesetzt sein können.

Gesundheitliche Probleme aufgrund des Konsums von Distickstoffmonoxid unter jungen Menschen

Disposed silver laughing gas cartridges on a wooden table

In einer kürzlich veröffentlichten Studie der EMCDDA wurde festgestellt, dass es in einer Reihe von EU-Mitgliedstaaten Anzeichen für eine Zunahme des Konsums von Distickstoffmonoxid, auch bekannt als Lachgas, zu Rauschzwecken gibt. Distickstoffmonoxid wird in einer Reihe von kommerziellen Anwendungen eingesetzt, und es gibt eine Debatte darüber, inwieweit diese Substanz mit einem Risiko negativer gesundheitlicher Auswirkungen verbunden ist, insbesondere bei Rauschkonsumierenden. Der intensive und chronische Gebrauch von Distickstoffmonoxid wurde jedoch mit Gesundheitsschäden, einschließlich Vergiftungen, Verbrennungen und Lungenschäden, und in einigen Fällen bei längerer Exposition mit Nervenschäden durch Vitamin-B12-Mangel in Verbindung gebracht. In einigen europäischen Städten ist die Entsorgung der kleineren Edelstahlkapseln darüber hinaus zu einem drogenbedingten Müllproblem geworden. Diese Droge scheint zugänglicher und erschwinglicher geworden zu sein, da in einigen Ländern die Verfügbarkeit größerer Gaskapseln für Freizeitkonsumierende zugenommen hat. Dies kann aufgrund des höheren Drucks des Inhalts dieser Kapseln außerdem das Risiko für Lungenschäden erhöhen. In Kombination bilden die Informationen daher ein starkes Argument dafür, dass sich die Angebote für Drogenprävention und Schadensminimierung bei ihrer Arbeit mit dieser Substanz befassen sollten. Die Vorschriften für den Verkauf und die Verwendung dieser Substanz sind derzeit von Land zu Land unterschiedlich.

Anzeichen für eine zunehmende Verfügbarkeit und Herstellung synthetischer Cathinone in Europa

A syringe lying on a black table next to a white powder

Synthetische Cathinone wie 3-MMC und 3-CMC, die als Ersatzstoffe für Drogen wie Amphetamin und MDMA vermarktet werden, werden manchmal auch fälschlicherweise als andere Substanzen verkauft. Obwohl Beschlagnahmen nach wie vor relativ selten erfolgen, wurden bei einigen einzelnen Beschlagnahmen, die in der Regel aus Indien stammen, sehr große Mengen synthetischer Cathinone festgestellt. Zusammen mit Belegen dafür, dass synthetische Cathinone auch in Europa hergestellt werden, deutet dies auf eine zunehmende Verfügbarkeit dieser Substanzen in Europa hin; dort haben sie das Potenzial, in Zukunft eine wachsende Rolle auf dem Stimulanzienmarkt zu spielen. Die Entwicklungen in diesem Bereich bringen auch neue Herausforderungen für die Strafverfolgung mit sich; z. B. werden chemisch maskierte und nicht kontrollierte Formen synthetischer Cathinone nach Europa geschmuggelt, damit sie anschließend auf lokaler Ebene in kontrollierte Cathinone umgewandelt werden. Angesichts der Menge der beschlagnahmten chemischen Ausgangsstoffe erscheint es wahrscheinlich, dass nun eine großflächige Produktion für den europäischen und möglicherweise auch für andere Märkte stattfindet.

Mögliche negative Folgen des zunehmenden Interesses am therapeutischen Potenzial psychedelischer Drogen

Color MRI Scan Human Brain

Sowohl das klinische als auch das öffentliche Interesse an der möglichen therapeutischen Anwendung einiger psychedelischer Substanzen, einschließlich neuer und wenig bekannter Substanzen, hat zugenommen. In immer mehr klinischen Studien wird das Potenzial einer Reihe von psychedelischen Substanzen zur Behandlung verschiedener psychischer Erkrankungen untersucht. Einige Forschungsarbeiten erscheinen vielversprechend, eine Verallgemeinerung in diesem Bereich ist jedoch schwierig, mitunter weil ein Großteil der Forschung noch in den Kinderschuhen steckt, was zum Teil auf die große Zahl der überprüften Chemikalien und zum Teil auf das breite Spektrum der untersuchten Bedingungen zurückzuführen ist. Diese Entwicklungen haben in den Medien große Aufmerksamkeit erregt und Anlass zu der Befürchtung gegeben, dass sie zu einem verstärkten experimentellen Konsum dieser Substanzen ohne medizinische Aufsicht ermutigen könnten, was für vulnerable Personen das Risiko negativer Folgen birgt. Gleichzeitig gibt es Belege dafür, dass sowohl innerhalb als auch außerhalb der Europäischen Union unregulierte Programme betrieben werden, in denen die Anwendung psychedelischer Substanzen als Teil einer Wellness-, therapeutischen oder spirituell ausgerichteten Intervention einbezogen wird. 

Komplexere Herausforderungen im Zusammenhang mit Opioiden

Europas Opioidprobleme entwickeln sich weiter

A used spoon and syringe lying on the ground

Heroin ist in Europa nach wie vor das am häufigsten konsumierte illegale Opioid und auch die Droge, die für einen Großteil der mit dem illegalen Drogenkonsum verbundenen Gesundheitsbelastung verantwortlich ist. Die verfügbaren Daten deuten jedoch auch darauf hin, dass Heroin im Vergleich zu früher eine weniger zentrale Rolle spielt, und synthetische Opioide scheinen in einigen Ländern eine bedeutendere Rolle bei opioidbedingten Problemen einzunehmen. Die von den EU-Mitgliedstaaten beschlagnahmte Menge an Heroin hat sich im Jahr 2021 mit 9,5 Tonnen mehr als verdoppelt, während in der Türkei eine Rekordmenge von 22,2 Tonnen beschlagnahmt wurde. Trotz dieser umfangreichen Beschlagnahmen hat sich der Preis bzw. der Reinheitsgrad von Heroin im Drogenkleinhandel nur geringfügig verändert, und insgesamt deuten die vorliegenden Daten darauf hin, dass die Verfügbarkeit von Heroin weiterhin relativ hoch ist. Dennoch gibt es kaum Hinweise auf einen signifikanten Anstieg des Einstiegs in den Heroinkonsum, wobei Indikatoren darauf hindeuten, dass es sich bei den Konsumierenden der Droge in den meisten Ländern um eine alternde Kohorte handelt, von der ein Großteil bereits seit langem mit Drogenhilfe- und anderen Betreuungsangeboten in Kontakt ist.

Heroin spielt bei opioidbedingten Problemen eine weniger bedeutende Rolle, ist aber nach wie vor eine wichtige Ursache für Schäden

An ambulance parked on the street at night

Während Heroin nach wie vor an den meisten opioidbedingten Todesfällen insgesamt beteiligt ist, ist die Zahl der Länder, in denen dies der Fall ist, zurückgegangen. Die Daten über akute Drogenvergiftungen in den Notaufnahmen der Krankenhäuser deuten darüber hinaus darauf hin, dass in einigen Städten andere Opioide Heroin als Ursache für Vergiftungsfälle überholt haben. Auch die relative Bedeutung von Heroin als Grund für die Inanspruchnahme einer spezialisierten Drogenbehandlung ist zurückgegangen. In vielerlei Hinsicht kann die Beobachtung, dass Heroin bei Drogenproblemen eine weniger zentrale Rolle spielt, als positive Entwicklung angesehen werden, doch gibt es hier einige wichtige Vorbehalte. Die Zahl der Heroinkonsumierenden in Europa ist nach wie vor hoch, und ihr Gesundheits- und Unterstützungsbedarf wird immer komplexer. Der polyvalente Drogenkonsum ist unter Opioidkonsumierenden weit verbreitet, und Wechselwirkungen zwischen den Drogen – häufig wird Heroin zusammen mit anderen Substanzen konsumiert – scheinen eine immer wichtigere Rolle bei dem zunehmenden Risiko für Schäden zu spielen. Darüber hinaus werden etablierte und neuartige synthetische Opioide immer häufiger mit drogenbedingten Krankheits- und Todesfällen in Verbindung gebracht und sind in einigen Ländern inzwischen die Hauptursache für opioidbedingte Probleme.

Für die Behandlung einer alternden Kohorte von Opioidklienten ist multidisziplinäre Unterstützung erforderlich

Psychiatrist or professional psychologist counseling or therapy session to male patients

Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2021 etwa die Hälfte der Hochrisiko-Opioidkonsumierenden in der Europäischen Union, schätzungsweise 511 000 (524 000 einschließlich Norwegen und Türkei), eine Behandlung mit Opioid-Agonisten erhalten haben. Die vorliegenden Daten sprechen für eine Behandlung mit Opioid-Agonisten, wobei positive gesundheitliche und soziale Folgen beobachtet wurden, zu denen auch eine Verringerung des Sterberisikos gehört. Mehr als 60 % der Klientinnen und Klienten, die eine Behandlung mit Opioid-Agonisten erhalten, sind jedoch mittlerweile 40 Jahre oder älter, während weniger als 10 % unter 30 Jahre alt sind. Das bedeutet, dass Unterstützungsangebote einen komplexeren Bedarf an medizinischer Versorgung in einer immer stärker gefährdeten Bevölkerungsgruppe abdecken müssen. Es sind wirksame Wege der Überweisung zu allgemeineren Angeboten erforderlich, die eine Behandlung von Erkrankungen im Zusammenhang mit dem Alterungsprozess anbieten. Die Behandlung dieser häufig stark marginalisierten Gruppe muss auch auf eine komplexe Reihe von Problemen eingehen, die nicht nur mit dem Drogenkonsum, sondern auch mit Fragen der psychischen Gesundheit, der sozialen Isolation, der Beschäftigung und der Wohnsituation im Zusammenhang stehen. Daher muss ein stärkerer Schwerpunkt auf den Aufbau wirksamer behördenübergreifender Partnerschaften mit allgemeinen Gesundheits- und sozialen Unterstützungsdiensten gelegt werden.

Notwendigkeit eines besseren Verständnisses der Rolle des polyvalenten Drogenkonsums bei opioidbedingten Todesfällen

Naloxone kit

Nach wie vor sind Opioide, in der Regel in Kombination mit anderen Substanzen, am häufigsten an drogenbedingten Todesfällen beteiligt. Während die allgemeinen Trends bei den Todesfällen, an denen Opioide beteiligt sind, stabil zu sein scheinen, nimmt der Anteil der Todesfälle in älteren Altersgruppen zu. In einigen Ländern scheint die Rolle von Heroin bei der Gesamtzahl der Todesfälle rückläufig zu sein. Es gilt auch zu beachten, dass dort, wo Heroin beteiligt ist, die Droge selten isoliert zu finden ist; dies ist ein Hinweis darauf, dass der polyvalente Drogenkonsum die Norm ist. Wenn detaillierte toxikologische Informationen vorliegen, werden bei Todesfällen, bei denen Heroin beteiligt ist, häufig auch andere Opioide und Medikamente nachgewiesen, die möglicherweise eine Rolle gespielt haben. Die Zahl der Todesfälle, bei denen Stimulanzien – oft neben Opioiden – beteiligt sind, scheint in einigen Ländern zu steigen, und Stimulanzien sind häufiger an Todesfällen in jüngeren Alterskohorten beteiligt. Daher muss anerkannt werden, dass Muster von polyvalentem Drogenkonsum eine wichtige Rolle bei drogenbedingten Todesfällen spielen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit besserer toxikologischer Informationen. Wechselwirkungen zwischen Drogen können auch bedeuten, dass Modelle für Hilfsangebote überprüft werden müssen. So hat beispielsweise der Konsum entweder von Stimulanzien oder synthetischen Opioiden in Kombination mit Heroin Auswirkungen darauf, ob einige Maßnahmen zur Verringerung des Risikos einer Überdosierung von Drogen wirksam durchgeführt werden können. Überdosierungen durch starke synthetische Opioide können beispielsweise die Verabreichung mehrerer Dosen des Opioid-Antagonisten Naloxon erfordern.

Wechselwirkungen zwischen neuen Benzodiazepinen und Opioiden

Bag with yellow pills

Die Tatsache, dass nicht genügend toxikologische Informationen vorliegen, bedeutet derzeit, dass die Rolle von Benzodiazepinen bei opioidbedingten Todesfällen nicht ausreichend verstanden wird. In Europa sind nicht kontrollierte und neue Benzodiazepine verfügbar; aufgrund der begrenzten Datenlage ist es jedoch schwierig, Aussagen zum Ausmaß ihres Konsums zu treffen. Die verfügbaren Daten reichen jedoch aus, um darauf zu schließen, dass diese Substanzen erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben können, insbesondere wenn sie in Kombination mit anderen Drogen konsumiert werden. Sie sind oft sehr billig und können von Jugendlichen in Kombination mit Alkohol konsumiert werden, was manchmal zu potenziell schwerwiegenden gesundheitlichen Reaktionen oder abnormalen Verhaltensweisen führt. Sie werden auch mit einem erhöhten Risiko für Todesfälle durch Überdosierung von Opioiden in Verbindung gebracht, und die jüngsten Daten zeigen, dass der Anteil der Todesfälle durch Überdosierung in Verbindung mit Benzodiazepinen in einigen Ländern gestiegen ist. Ein Beispiel für die Komplexität, die auf dem Drogenmarkt in diesem Bereich mittlerweile vorherrschen kann, ist Estland, wo in jüngster Zeit Mischungen beschlagnahmt wurden, die sowohl das neue synthetische Opioid Metonitazen als auch Bromazolam, ein neues Benzodiazepin, enthalten.

Neue synthetische Opioide

A male hand holding a small plastic bag with a blue pill

Drogenprobleme in Nordamerika sind ein Beispiel dafür, wie Veränderungen bei den Mustern der Verfügbarkeit und des Konsums von Opioiden erhebliche Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben können. In dieser Weltregion haben hochwirksame Fentanylderivate verschreibungspflichtige Opioide und Heroin weitgehend verdrängt und sind zur Hauptursache für eine Epidemie von opioidbedingten Todesfällen geworden. In Europa werden neue synthetische Opioide gemeldet, die in einigen Bereichen immer häufiger in Erscheinung treten könnten. Die Verfügbarkeit und der Konsum dieser Drogen unterscheiden sich derzeit jedoch stark von der Situation in Nordamerika, wobei erhebliche Probleme im Zusammenhang mit diesen Drogen zumeist auf einige nördliche und baltische Länder beschränkt sind. Im Jahr 2021 meldeten die EU-Mitgliedstaaten rund 140 Todesfälle im Zusammenhang mit Fentanyl. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass ein erheblicher Teil davon mit aus der medizinischen Verwendung abgezweigtem Fentanyl in Verbindung steht. Dieser Wert dürfte zwar eine Unterschätzung darstellen, ist aber nicht mit den Tausenden fentanylbedingten Todesfällen vergleichbar, die im gleichen Zeitraum in Nordamerika gemeldet wurden. Dennoch wurden zwischen 2009 und 2022 insgesamt 74 neue Opioide auf dem europäischen Drogenmarkt entdeckt, wobei im Rahmen des EU-Frühwarnsystems Meldungen über ein weiteres neues synthetisches Opioid im Jahr 2022 und drei in den ersten vier Monaten des Jahres 2023 eingingen. Die meisten der in den letzten Jahren entdeckten neuen Opioide gehören jedoch nicht zur Gruppe der Fentanyle, sondern zu den hochwirksamen Benzimidazol-(Nitazen-)Opioiden. Die verfügbaren, von den baltischen Ländern gemeldeten Informationen aus Beschlagnahmungen, Rückständen in Spritzen und toxikologischen Befunden deuten auf eine Zunahme der Verfügbarkeit und der Schäden (einschließlich drogenbedingter Todesfälle) in diesen Ländern im Jahr 2022 hin, insbesondere im Zusammenhang mit Benzimidazol-Opioiden und dem Fentanylderivat Carfentanil. Bei kürzlich durchgeführten Beschlagnahmen wurden auch neue synthetische Opioide in Mischungen gefunden, die ein neues Benzodiazepin und das tierische Sedativum Xylazin enthalten. Diese Kombinationen, die als „Benzo-Dope“ bzw. „Tranq-Dope“ bezeichnet werden, wurden auch in Nordamerika gemeldet, wo sie mit einem erhöhten Risiko für Todesfälle durch Überdosierung in Verbindung gebracht wurden. Da neue synthetische Opioide hochwirksam sind, reicht eine geringe Menge aus, um eine große Anzahl typischer Dosen herzustellen, und schon eine kleine Menge kann ein erhöhtes Risiko lebensbedrohlicher Vergiftungen bergen. Das bedeutet: Auch wenn die Probleme in diesem Bereich derzeit relativ begrenzt sind, stellt diese Gruppe von Substanzen eine Bedrohung dar, die sich in Zukunft stärker auf die Gesundheit und die Sicherheit in Europa auswirken kann.

Europa muss auf die möglichen Auswirkungen des Verbots des Schlafmohnanbaus in Afghanistan vorbereitet sein

Opium plantation

Das in Europa konsumierte Heroin wird größtenteils aus Schlafmohn gewonnen, der in Afghanistan angebaut wird. Im April 2022 verkündeten die Taliban ein Verbot des Schlafmohnanbaus, was die Frage aufwirft, welche Folgen dies für den Opioidkonsum in Europa haben wird. Nach der Übernahme des Landes durch die Taliban im August 2021 stieg der geschätzte Schlafmohnanbau im Jahr 2022 um fast ein Drittel. Vorläufige Informationen für 2023 deuten jedoch darauf hin, dass die Anbaufläche erheblich reduziert wurde. Darüber hinaus scheinen parallele Maßnahmen zur Verringerung der Methamphetaminherstellung dazu geführt zu haben, dass diese Form der Drogenproduktion weniger in Erscheinung tritt und möglicherweise bis zu einem gewissen Grad eingeschränkt wurde. Obwohl weitere Nachweise erforderlich sind, um diese Schlussfolgerungen zu bestätigen, deuten die derzeit verfügbaren Informationen darauf hin, dass im Jahr 2023 eine erhebliche Verringerung sowohl der Opium- als auch der Methamphetaminproduktion in Afghanistan möglich ist. Es gibt jedoch eine Reihe von Gründen, weshalb sich die längerfristigen Auswirkungen des Verbots des Schlafmohnanbaus nur schwer vorhersagen lassen. Zum Beispiel könnte die wirtschaftliche Notlage, mit der die Landwirte im Land konfrontiert sind, die Aufrechterhaltung dieser Beschränkung im Laufe der Zeit politisch erschweren. Außerdem ist es aufgrund der vorhandenen Lagerbestände und der Tatsache, dass es in der Regel mehr als 12 Monate dauert, bis die Opiumernte auf dem europäischen Drogenmarkt als Heroin erscheint, noch zu früh, um die Auswirkungen auf die Verfügbarkeit der Droge in Europa vorherzusagen. Sollte das Verbot des Opiumanbaus jedoch durchgesetzt und aufrechterhalten werden, könnte dies erhebliche Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Heroin haben. Ein früheres kurzzeitiges Verbot der Opiumproduktion in Afghanistan führte zu einer Heroinknappheit in Europa, die in einigen Ländern mit langfristigen Veränderungen der Opioidkonsummuster in Verbindung gebracht wurde. Daher sollte Europa darauf vorbereitet sein, auf mögliche Auswirkungen eines Rückgangs der Verfügbarkeit von Heroin ab 2024 zu reagieren. Eine mögliche Folge könnte die steigende Nachfrage nach Behandlungen bei opioidbedingten Problemen sein. Es besteht die Sorge, dass etwaige Engpässe bei der Verfügbarkeit von Heroin zu einem Anstieg der Nachfrage nach synthetischen Opioiden führen könnten. Da die Entwicklungen in diesem Bereich derzeit noch ungewiss sind, ist eine intensive Überwachung erforderlich. Sollten Veränderungen festgestellt werden, sind möglicherweise Hilfsmaßnahmen erforderlich; diese könnten unter anderem den Ausbau von Behandlungskapazitäten, die Überprüfung von Strategien zur Schadensminimierung und die Einführung robusterer Durchsetzungsmaßnahmen zur Bekämpfung des Angebots an synthetischen Opioiden umfassen. Und zu guter Letzt könnte die Gefahr zusätzlicher sicherheitspolitischer Herausforderungen bestehen, wie z. B. eines Anstiegs des Zustroms irregulärer Migranten aus Afghanistan aufgrund der sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage der armen ländlichen Bevölkerung des Landes.

Literatur

Empfohlene Zitierweise: Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (2023), Europäischer Drogenbericht 2023: Trends und Entwicklungen, https://www.emcdda.europa.eu/publications/european-drug-report/2023/drug-situation-in-europe-up-to-2023_de

Identifikatoren:

HTML: TD-02-23-150-DE-Q
ISBN: 978-92-9497-921-6
DOI: 10.2810/802725