Kurzinformationen für Politik und PraxisMaßnahmen zur Eindämmung des polyvalenten Drogenkonsums

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Problemstellungen

Der Begriff „polyvalenter Drogenkonsum“ bezeichnet den gleichzeitigen oder aufeinander folgenden Konsum mehrerer Drogen bzw. Drogenarten durch eine Person. Er bezieht sich sowohl auf illegale Drogen als auch auf legale Substanzen wie Alkohol und Arzneimittel.

Innerhalb der Gruppe der polyvalenten Drogenkonsumenten kann grosso modo zwischen sozial marginalisierten Konsumenten von Heroin und einer Reihe anderer Substanzen – wie Kokain, Benzodiazepinen und Alkohol – und sozial integrierten Konsumenten unterschieden werden, bei denen ein problematischer Konsum von Kokain oder Cannabis gemeinsam mit Alkohol zu beobachten ist.

Der Konsum mehrerer Drogen ist geeignet, die Risiken und die Abhängigkeit zu verstärken. Zu den gravierendsten Folgen des polyvalenten Konsums zählen tödliche und nicht tödliche Überdosierungen, Hepatotoxizität und die Beeinträchtigung der Behandlungsergebnisse.

Mögliche Maßnahmen

Präventions- und Schadensminimierungsmaßnahmen zur Eindämmung des Alkohol- und Drogenkonsums auf Festivals und in der Nachtclubszene sowie des Arzneimittelmissbrauchs können zur Reduzierung des polyvalenten Drogenkonsums beitragen.

Da der problematische polyvalente Drogenkonsum unter in Behandlung befindlichen Klienten weit verbreitet ist, ist es wichtig, für diese Personengruppe entsprechende Untersuchungsverfahren zur Feststellung dieser Form des Drogenkonsums durchzuführen. Eine Behandlung wegen anderer Formen der Drogenabhängigkeit kann bei schweren und langjährigen problematischen Drogenkonsumenten auch eine Reduzierung des polyvalenten Drogenkonsums bewirken.

Die Situation in Europa

  • Über die gegenwärtigen Verfahren zur Behandlung des polyvalenten Drogenkonsums in Europa liegen nur begrenzte Informationen vor.
  • Zwar geht man davon aus, dass ein polyvalenter Drogenkonsum schwer behandelbar ist, jedoch belegen in Europa durchgeführte große Ergebnisstudien, dass eine Behandlung den Mischkonsum bei sehr problematischen Drogenkonsumenten senken kann.

Überblick über die verfügbare Evidenz

In diesem Bereich ist kaum Evidenz verfügbar, weil die meisten Studien den Schwerpunkt auf bestimmte Substanzen legen. Aus einigen Studien können jedoch gewisse Rückschlüsse gezogen werden:

  • Prävention: Es wurde festgestellt, dass einige Konzepte für die Prävention des Arzneimittelmissbrauchs einen polyvalenten Drogenkonsum, der auch den Missbrauch von Arzneimitteln einschließt, eindämmen können. Des Weiteren dürften wirksame Präventionskonzepte (wie sie beispielsweise in den Kurzinformationen über Festivals und Nachtclubs, Schulen und anfällige junge Menschen erläutert werden) zu einem Rückgange des polyvalenten Drogenkonsums beitragen, da sie in der Regel nicht auf bestimmte Substanzen abzielen.
  • Behandlung: In Australien, Italien und dem Vereinigten Königreich wurden groß angelegte nationale Ergebnisstudien durchgeführt, die belegen, dass eine Drogenbehandlung den Anteil der Klienten, die mehrere Substanzen konsumieren, erheblich verringert. Diese Ergebnisse werden durch systematische Auswertungen einiger weniger randomisierter Kontrollstudien untermauert, die gezeigt haben, dass pharmakologische und psychosoziale Maßnahmen, wie beispielsweise das Kontingenzmanagement, den polyvalenten Drogenkonsum eindämmen können (Evidenz mittlerer Qualität).
  • Maßnahmen zur Schadensminimierung bei problematischen Drogenkonsumenten zielen in der Regel auf die Schädigungen und das Risikoverhalten im Zusammenhang mit dem injizierenden Konsum ab und weniger auf eine bestimmte Substanz. In Kombination mit anderen Diensten, wie beispielsweise aufsuchender Arbeit und opioidgestützter Substitutionsbehandlung, können diese Maßnahmen eine Verbesserung der Gesundheit polyvalenter Drogenkonsumenten bewirken.

Konsequenzen für Politik und Praxis

Grundlegendes

  • Ein polyvalenter Drogenkonsum verschärft das Risiko für eine ganze Reihe drogenbedingter Schädigungen. Zu den schwersten Folgen zählt die erhöhte Gefahr tödlicher und nicht tödlicher Überdosierungen durch den gleichzeitigen Konsum mehrerer dämpfender Drogen, wie etwa Opioiden, Benzodiazepinen und Alkohol.
  • Die Behandlung polyvalenter Drogenkonsumenten ist nach wie vor eine komplexe und schwierige Aufgabe. Bei Personen, die mehrere Substanzen konsumieren, ist eine Behandlung häufig weniger erfolgreich.
  • Psychosoziale Maßnahmen können dazu beitragen, den polyvalenten Drogenkonsum unter in Behandlung befindlichen Klienten zu senken. Dies gilt insbesondere für den Konsum von Stimulanzien bei Klienten in opioidgestützter Substitutionsbehandlung.

Mögliche Maßnahmen

  • Der Eindämmung des polyvalenten Drogenkonsums sollte bei Maßnahmen zur Schadensminimierung vorrangige Bedeutung beigemessen werden.
  • Angesichts des Einflusses des polyvalenten Drogenkonsums auf das Risiko einer Überdosierung müssen Informationen über die allgemeinen Gefahren und bestimmte risikobehaftete Kombinationen für Opioidkonsumenten bereitgestellt werden und in die Beratungsmaßnahmen für diese Personengruppe einbezogen werden.

Defizite

  • Für die Entwicklung geeigneter Maßnahmen ist ein klareres Verständnis von Ausmaß und Art des polyvalenten Drogenkonsums bei unterschiedlichen Gruppen von Drogenkonsumenten erforderlich.