Kurzinformationen für Politik und PraxisNachtclubszene, Festivals und andere Freizeitsettings

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Problemstellungen

Der Drogen- und Alkoholkonsum in der Nachtclubszene, wie beispielsweise in Bars, Clubs und anderen Freizeiteinrichtungen, ist mit gesundheitlichen und sozialen Problemen verbunden. Hierzu zählen beispielsweise akute Gesundheitsschäden, aggressives Verhalten und Gewalt, Fahren unter Alkohol- und Drogeneinfluss sowie längerfristige Gesundheitsprobleme und Abhängigkeit. Die negativen Konsequenzen für die Gesellschaft sind unter anderem auf den Drogenhandel und die Störung der öffentlichen Ordnung zurückzuführen. Da viele dieser Schäden mit dem exzessiven Konsum bei bestimmten Gelegenheiten in Zusammenhang stehen, zielen viele Maßnahmen auf die Senkung der konsumierten Alkohol- und Drogenmengen ab.

Mögliche Maßnahmen

  • Die meisten Evidenzdaten über Maßnahmen in Freizeitsettings beziehen sich auf Alkohol. Nur wenige Maßnahmen zur Eindämmung des Drogenkonsums in Freizeitsettings wurden einer verlässlichen Evaluierung unterzogen.
  • Es wäre möglich, in Freizeitsettings Informationsmaterial zur Prävention und Schadensminimierung an junge Menschen zu verteilen. Dabei könnten Peergruppen eingesetzt werden, da diese unter Umständen als glaubwürdiger empfunden werden. Unterstützend könnten Websites und Apps entwickelt werden, die ausführlichere Informationen über Drogen, Alkohol und die damit verbundenen Schäden sowie Tipps zu ihrer Vermeidung vermitteln. Allerdings liegen kaum Evidenzdaten vor, die belegen, dass diese Maßnahmen tatsächlich Verhaltensänderungen bewirken.
  • Umfassender ist die Evidenz für milieubezogene Strategien. Hierzu zählen Maßnahmen zur Eindämmung von Faktoren, die einem exzessiven Konsum Vorschub leisten (z. B. verbilligte Getränke, laute Musik oder eine mangelhafte Ausschankpraxis), oder zur Verbesserung der Sicherheit in den Settings (z. B. durch die Vermeidung von Gedränge, die Bereitstellung von Ruheräumen und kostenlosem Wasser, das Angebot von Speisen und die Durchsetzung von Verhaltens- und Zutrittsregeln).
  • Es könnten Drogenanalysen (mitunter als Pillentests bezeichnet) angeboten werden, die es Drogenkonsumenten ermöglichen, eine chemische Analyse ihrer synthetischen Drogen durchführen und sich über deren Inhalt informieren zu lassen; zudem könnten Empfehlungen ausgesprochen und in einigen Fällen Beratung oder Kurzinterventionen angeboten werden. Es ist unklar, inwieweit dieser Ansatz eine Verhaltensänderung bewirkt, jedoch kann er eine wertvolle Gelegenheit darstellen, Drogenkonsumenten zu erreichen und ihren Konsum zu beobachten.

Die Situation in Europa

In Europa werden für die Eindämmung von durch Substanzkonsum bedingten Problemen in der Nachtclubszene und anderen Freizeiteinrichtungen zahlreiche unterschiedliche milieubezogene und regulatorische Ansätze verfolgt. Hierzu zählen Nulltoleranzregeln, regulatorische Maßnahmen gegen Einrichtungen mit offensichtlichen Problemen, Schulungen von Türstehern und Sicherheitspersonal, Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen sowie Schulungen über die Erkennung drogen- und alkoholbedingter Notfälle und die Ergreifung der erforderlichen Maßnahmen. Mittlerweile werden in immer mehr Ländern strukturierte und evidenzbasierte milieubezogene Präventionskonzepte verfolgt. Gleiches gilt für die lokale Zusammenarbeit zwischen Polizei, Nachtclubszene und Hilfsdiensten zur Durchsetzung der geltenden Regelungen (Prävention und Schadensminimierung). Im Rahmen von zwei europäischen Projekten – dem Nightlife empowerment and well-being implementation project (NEWIP) und dem Club Health Project – werden für das in diesem Bereich tätige Personal Standards für bewährte Verfahren erarbeitet.

Die Zahl der Drogenanalysedienste in Europa steigt. Dabei kommen die unterschiedlichsten Modelle zum Einsatz, darunter sowohl separate Teststellen als auch vor Ort angebotene Tests auf Festivals und in Nachtclubs. Die Wirkung dieser unterschiedlichen Modelle für Drogenanalysen muss noch untersucht werden.

Überblick über die verfügbare Evidenz

Bewährte Verfahren für Maßnahmen zur Bewältigung drogenbedingter Probleme in der Nachtclubszene

Den verfügbaren Forschungsdaten und Expertenbewertungen zufolge ist ein ausgewogener Ansatz zur Bewältigung der drogen- und alkoholbedingten gesundheitlichen und sozialen Probleme in der Nachtclubszene erforderlich. Über die einzelnen Maßnahmen ist man sich weniger einig, jedoch können alle nachstehend genannten Maßnahmen für ein umfassendes Vorgehen in diesem Bereich in Betracht gezogen werden:

  • mehrere Komponenten umfassende koordinierte Interventionen unter Einbeziehung von Vertretern der Gemeinde, der allgemeinen Gesundheits- und Notfalldienste, der Aufsichtsbehörden, der Polizei und der Strafverfolgungsbehörden;
  • milieubezogene Strategien, wie beispielsweise die Bereitstellung von Ruheräumen oder kostenlosem Trinkwasser;
  • Schulung der Mitarbeiter dieser Einrichtungen;
  • Maßnahmen für eine rasche Reaktion bei medizinischen Notfällen;
  • Frühwarnsysteme und Beobachtung der konsumierten Substanzen, einschließlich des Angebots von Drogenanalysen;
  • Bereitstellung von Informationsmaterial zur Prävention und Schadensminimierung – obwohl dies für sich genommen kaum eine Wirkung zeigen dürfte.

Insgesamt ist für die Wirksamkeit von Maßnahmen zur Eindämmung alkoholbedingter Schädigungen eine stärkere Evidenzbasis verfügbar als für Maßnahmen im Zusammenhang mit drogenbedingten Schädigungen.

Konsequenzen für Politik und Praxis

Grundlegendes

  • Gegebenenfalls sollten milieubezogene Maßnahmen zur Prävention und Schadensminimierung durchgeführt werden, wobei die im Rahmen des NEWIP und des Club Health Project erarbeiteten Leitlinien und Standards herangezogen werden sollten.
  • In Freizeitsettings sollte eine medizinische Notfallhilfe für unvorhergesehene Zwischenfälle angeboten werden, die mit den Notfallaufnahmen in Kontakt steht. Dabei könnten die europäischen Leitlinien hilfreich sein und sollten herangezogen werden.
  • Gemeindebasierte Initiativen, bei denen im Rahmen einer behördenübergreifenden Partnerschaft eine Reihe koordinierter Maßnahmen durchgeführt wird, sind effektiver als Einzelinterventionen. Häufig verbinden sie die Einbeziehung der Gemeinde, Personalschulungen und Durchsetzungsmaßnahmen und zeigen offensichtlich Wirkung im Hinblick auf die Eindämmung von Gewalt, problematischem Alkoholkonsum und Unfällen im Straßenverkehr.

Mögliche Maßnahmen

  • Verstärkter Informationsaustausch über bewährte Verfahren und Leitlinien für Maßnahmen zur Prävention und Schadensminimierung in diesen Settings sowie verstärkte Evaluierung ihrer Wirksamkeit.
  • Drogenanalysedienste sind geeignet, sowohl den schädlichen Drogenkonsum einzudämmen als auch die auf dem Markt gehandelten Drogen zu beobachten. Es sind jedoch Forschungsarbeiten zur Wirksamkeit der unterschiedlichen Modelle für die Durchführung dieser Maßnahmen und ihre Eignung für unterschiedliche Szenarien erforderlich.

Defizite

  • Für die Wirksamkeit der Bereitstellung von Informationen für Clubbesucher/Aufklärung durch Peergruppen (häufig zur Schadensminimierung eingesetzt) ist nur eine begrenzte Evidenz verfügbar. Diese Maßnahmen könnten möglicherweise kontraproduktiv sein. Daher sind weitere Forschungsarbeiten über die wirksamsten Formen der Aufklärung über Risiken, sichere Dosierung usw. erforderlich.